Der Platz war immer gefährdet-Thieler (Teil 3)

Die Arbeitsbedingungen
Anfangs gab es keine festen Häuser. Wir hatten zwei Hütten und Baubuden. Eine wurde mit einem Allesbrenner beheizt. Im Winter sind wir immer mit ganz dicken Jacken und Stiefeln zur Arbeit gekommen.
Der Platz selber war immer gefährdet. Einigen Anwohnern war er ein Dorn im Auge. Sie schimpften wegen dem Lärm oder verurteilten unsere Arbeit als gefährlich und verantwortungslos gegenüber den Kindern.
Vom Bezirksamt gab es Unterstützung. Es war nicht so schwierig wie heute, wenn es uns auch schwierig vorkam. Es gab Geld für Spielsachen und anderes. Wir mussten zwar zum Amtsleiter marschieren und Rede und Antwort für die Ausgaben stehen, aber der damalige SPD-Stadtrat unterstützte das Projekt. Durch die Einstellung der Erzieherin Karin Schnabel zeigte sich, dass professionelle pädagogische Arbeit gefördert wurde.

Problematisch...
Immer gab es Schwierigkeiten mit Jugendlichen. Sie zerstörten Hütten oder zerschlugen die Waschbecken. Über Nacht gab es viele Einbrüche. Da wir um die Ecke wohnten, kam nachts öfter die Polizei und informierte uns. Oder aber geklaute Mopeds wurden bei uns auf dem Platz untergestellt. Manche kamen auch mit Schusswaffen. Das war problematisch, da wir das Vertrauen der Jugendlichen behalten wollten. Mit den Pistolen sind wir dann zur Polizei gegangen und haben sie anonym abgegeben. Mit der Polizei konnte man reden. Die wussten, das wir mit den Jugendlichen einigermaßen klar kamen. Dennoch, viele von ihnen sind später leider im Knast gelandet. Heute würde ich ihnen rechtzeitiger die Konsequenzen ihres Handelns aufzeigen. Aber sie waren alle aus einem schwierigen Milieu. Sie hatten oft Gewalterfahrungen hinter sich oder Probleme in der Familie. Wegen den Jugendlichen arbeiteten wir auch eng mit den Mitarbeitern des "Julateg" zusammen. Der Julateg wurde ebenfalls von der Bürgerinitiative "Wedding" gegründet, wie der Telux.
Mitarbeiterinnen hatten es mit den türkischen Jugendlichen schwer. Sie wollten Anweisungen von ihr nicht akzeptieren. Da die Mehrheit der Kinder auf dem Platz türkischsprachig war, fühlten sich manche deutsche Kinder dominiert oder verdrängt von ihnen.
Bravere Mittelstandskinder, wie später auch mein eigener Sohn, haben es nicht lange auf dem Platz ausgehalten. Der Umgangston war zu rau. Wir waren ja nur vier Mitarbeiter und nicht in der Lage sie davor zu schützen. Der Platz war eben ein besonderes Angebot für ein besonderes Klientel.
Da ich nicht mehr im Wedding wohne, habe ich keinen Kontakt mehr zum Platz und weiß auch nicht was sich alles verändert hat. Ich bin aber neugierig mehr zu erfahren.

Dezember 2002
Gespräch mit Eva Herbst


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