Früher war der Telux für uns...- Saher, Belma

Das war unser zweites Zuhause

Ich bin Saher Hamad. Zur Zeit gehe ich auf das Oberstufenzentrum Banken und Versicherungen. Auf dem Telux war ich schon seit der ersten Klasse. Nach unserem Umzug in den Wedding haben mich die Nachbarskinder wie Rosa zum Spielen auf den Platz mitgenommen. Seitdem war ich nach der Schule jeden Tag da, bis ich dreizehn Jahre war. Wir sind nicht nur zu den Aktivitäten gekommen, vielmehr war das unser zweites Zuhause.

Ich bin ihre Freundin Belma Karim, 17 Jahre alt. Ich gehe jetzt mit Saher in die gleiche Berufschulklasse. Damals hat mich Saher mit auf den Telux genommen. Von Montag bis Freitag waren wir nach der Schule da. Meistens haben wir uns dann mit Freunden getroffen.

Belma: Ja, genau. Wir haben auch neue Freunde kennengelernt, Nedim zum Beispiel. Mit denen sind wir auch heute noch befreundet.
Saher: Man konnte hier so vieles zusammen machen. Zum Beispiel Fußball spielen, Häuser bauen, kochen und im Garten mit Maria (Spielplatzleiterin) Blumen und Kürbisse pflanzen. Das alles hat Spaß gemacht. Mit den anderen Erziehern haben wir uns auch gut verstanden.
Belma: Töpfern war auch eine tolle Sache. Oder auch das Fotografieren und Vergrößern im Labor. Aber auch Leute interviewen machte Spaß. Wir haben zum Beispiel Eltern und Kinder zur Umgestaltung des Sparrplatzes befragt. Das hat richtig Spaß gemacht.
Saher: Stimmt, und ich fotografiere heute noch viel. Besonders schön war auch die Platzübernachtung und der Ausflug zum Britzer Garten. Ich habe mit meinen Geschwistern und anderen Kindern auf dem Platz geschlafen. Wir haben auch gekocht und sind Schwimmen gegangen.
Belma: Mein schönstes Ereignis war unser Auftritt beim Sommerfest als Spice Girls. Da haben wir auf der Kinderfarm zusammen getanzt vor vielen Leuten. Das war richtig schön.
Saher: Ja, Macarena haben wir auch getanzt. Wir haben dafür immer in den Hofpausen in der Schule geübt. Jetzt tanzen wir eher Bauchtanz oder arabische Tänze.
Belma: Lustig war auch unsere Torte, die wir für Anja als Abschiedsgeschenk gebacken haben.
Saher: Stimmt! Die hat so schrecklich geschmeckt. Da waren zwei Tüten Zucker drin. Wir haben an dem Tag gefastet und konnten nicht kosten!
Belma: Richtig fertig gemacht hatten wir sie auch nicht. Darüber haben wir uns dann mit Jacques, einem Betreuer gestritten.
Saher: Lecker waren aber die Kartoffeln auf dem Lagerfeuer.
Belma: Und die Suppe. Die Pizza und das türkische Gericht mit Hackfleisch waren auch toll.
Saher: Die Plätzchen im Winter waren lecker! Die haben wir dann im Cafe neben der Tischtennishalle zum Tee gegessen. In dem Raum war es auch schön warm. Den Thekendienst dort haben wir auch oft gemacht. Den anderen haben wir das nicht gegönnt.
Belma: Im Sommer haben wir oft Wasserschlachten gegen die Kinderfarm gemacht. Das war witzig, da war man ganz nass hinterher. Mein Lieblingstier auf der Farm war das Pony Blacky. Den durfte ich auch einmal in der Koppel führen.
Saher: Mein Lieblingspony war Miranda. Auf der Farm war ich aber nur für eine Weile. Meine Mutter hat gesagt ich stinke so (lacht).
Belma: Traurig war es nur, wenn wir uns gestritten haben.
Saher: Wir haben uns oft gestritten! Sonst hat alles Spaß gemacht. Früher waren allerdings keine Gemälde an den Hütten. Die Feuerhütte ist neu und die Seilbahn ist weg. Sonst ist alles gleich gut geblieben. Deshalb gibt es nichts zu verbessern.
Belma: Früher haben wir uns immer versteckt. Das hat Spaß gemacht.
Saher: Ja, weil es uns genervt hat, dass hier um 18 Uhr zugemacht wurde. Wir wären auch gerne am Wochenende gekommen.
Belma: Gerade Sonntags. Da ist sonst alles so langweilig.
Telux, November 2002
Gespräch mit Eva Herbst


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