Damals? Gespickte Hände- Mike

„Splitter in den Pfoten hatte ich jeden Tag

Ich heiße Mike Ramin und bin 16 Jahre alt. Zur Zeit bin ich im ersten Lehrjahr als Elektroinstallateur in Berlin Wedding.
Zum ersten Mal war ich auf dem Telux vor etwa acht oder neun Jahren. Bis ich 14 oder 15 Jahre alt war, bin ich fast täglich nach der Schule da gewesen. Gerne kam ich zum Kochen, zum Fußball und im Winter zum Tischtennis. Man konnte sich gut auslasten mit Bauen und Sport. Davor hatte ich immer so wenig Freunde. Auf dem Platz war das anders. Ich lernte Sascha von der Kinderfarm kennen. Auf dem Telux Christian, Ali und seine Geschwister. Auch Ralf, einen Betreuer. Von dem habe ich viel am Computer gelernt. Mädchen waren damals nicht so wichtig.

Zirkus selbst gemacht
Als ein Zirkusprojekt auf dem Platz war, habe ich meistens mitgemacht. Da bin ich dann Einrad gefahren, habe jongliert, Diabolo gespielt und getrommelt. Das war immer gut. Wir sind auch aufgetreten bei dem ersten „Kinderkarneval der Kulturen“ in Berlin, in der Brüder Grimm Schule im Wedding und auf dem Sommerfest des Telux und der Kinderfarm beim Zirkus “Pannini“. Damals machte das Auftreten Spaß.

Schönes und Trauriges
Alles auf dem Telux war schön. Nur einmal war ich traurig. Da habe ich mir das Schlüsselbein gebrochen. Ich hatte mit Patrik Football gespielt, da ist er aus Versehen auf mich drauf gefallen. Für eine Weile musste ich dann mit einem Rucksackverband rumlaufen. Die kleinen Kinder haben auch manchmal genervt. Die haben damals, wie ja auch heute wieder, gegen die Türen gebollert, sie schrieen bis zum Umfallen und ärgerten einen. Zurückärgern hat aber Spaß gemacht.

Gelernt...
Auf dem Telux habe ich viel gelernt, was ich jetzt gut gebrauchen kann. Zum Beispiel beim Bauen, wie man mit einem Hammer umzugehen hat und in der Holzwerkstatt, wie man einen Hocker nach Maß baut. In der Fahrradwerkstatt lernte ich Schläuche reparieren und Reifen wechseln.
Wir haben vor allem Hütten gebaut, so wie wir sie wollten. Mir einen Nagel in den Fuß zu treten, habe ich nie geschafft. Aber Splitter in den Pfoten hatte ich jeden Tag. Oft haben wir Chips geholt und auf den Hütten zusammen gegessen. Meine Lieblingsspeise beim Kochangebot war die Kürbiskernsuppe.

Nachts auf dem Telux
Bei Platzübernachtungen im Sommer habe ich auch teilgenommen. Am nächsten Morgen hatte ich immer großen Hunger. Statt zwei Brötchen hätte ich auch fünf essen können. Spaß hat es vor allem gemacht im Dunkeln zu spielen, auch Fußball.

Feste
Bei einem Winterfest kann ich mich noch an das Spiel erinnern, bei dem man eiskalte Schokolade mit Messer und Gabel zerschneiden musste. Die Sommerfeste waren auch gut. An zwei Sommerfesten habe ich jetzt mit 14 und 15 Jahren mitgeholfen. Einmal beim Nagelbalken und einmal bei der Rollenrutsche.

Altes Platzgesicht
Früher sah der Telux noch anders aus. Es gab vieles noch nicht was jetzt gebaut wird: Die Holzwerkstatt ist jetzt vorne, die Reifenschaukel war nicht da, das Schiff haben erst Hacki und Ralf gebaut, die neue Seilbahn, die Kletterwand. Versetzt wurde das Klettergerüst und aus der Feuerhütte wurde jetzt ein Lager. Der Telux wird jetzt immer besser.
Gespräch mit Eva Herbst


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