Kämpfe für die Freiheit...- Sprecherinnen der Kinderfarm

Ich glaube wir sind schon echte Freiheitskämpfer geworden


Vier ehemalige Sprecherinnen der Kinderversammlungen über ihre Erfahrungen auf der Weddinger Kinderfarm.

Nadima ist 22 Jahre jung und arbeitet heute bei einer Plattenfirma für die „ Phantastischen Vier“. Sie war vor elf Jahren zum ersten Mal auf der Farm. Pia ist 20 Jahre alt und macht eine Ausbildung zur Zahntechnikerin. Sie will später studieren. Auch sie kam mit elf Jahren auf den Platz. Sonja ist 20 Jahre alt und macht eine Ausbildung zur Erzieherin. Mit acht Jahren lernte sie den Platz kennen. Heute noch ist sie jeden Tag auf der Farm, gibt Reitunterricht und hilft den Kleinen beim Umgang mit den Tieren. Julia ist 19 Jahre jung und ist im letzten Jahr auf einem Gymnasium.

Was sind Kinderversammlungen?
Nadima: Es gab zwei Möglichkeiten für Kinderversammlungen. Entweder Siggi (der Leiter der Kinderfarm) war da - das war die längere Variante. Dann dauerte es oft sehr lange. Wir Kinder saßen dann mit den Mitarbeitern zusammen und haben alles Mögliche diskutiert, was die Farm betraf. Oder Siggi war nicht da - dann wurde gefragt, ob es Probleme gäbe. Bei „Nö“ haben wir dann bei schönem Wetter gespielt.
Wann fanden die Sitzungen statt?
Pia: Meistens war sie jeden zweiten Samstag.
Sonja, vor Jahren: Heute ist sie sonntags.
Was wurde da besprochen?
Pia: Eine Sitzung betraf alles zu den Tieren. Was mit den Ponies gemacht wird und was nicht. Wer Pfleger wird und so.
Nadima: Es wurde zum Beispiel gefragt, wer die Karnikel schon wieder nicht richtig ausgemistet hat.
Pia: Oder wer bei den Sommerfesten oder externen Festen die Ponies führt.
Nadima: Wie zum Beispiel auf dem Kinderbauernhof „Pinke Panke“.
Sonja: Die andere Sitzung betraf die Menschen. Pädagogische und andere Probleme wurden besprochen.
Pia: Oder Siggi hatte wieder neue Lernmethoden ausgebuddelt. Aber es wurde auch erklärt, auch warum man hier nicht barfuß laufen darf. Siggi kam auch immer mit seinen sozialpädagogischen Konzepten oder Beteiligungsmodellen.
Nadima: Ach, jetzt wirst du aber böse.
Pia: Nee, nur als Kind sieht man den Sinn ja nicht so sehr. Alles was nicht die Ponies betraf war Beiwerk damals.
Siggi: Es gab fließende Übergänge bei den Arten von Versammlungen.
Nadima: Ja, klar. Meistens führte es zu einem pädagogischen Konflikt, wenn es hieß „ Nadima, du machst die Hühner“ und Schwupp, da war der Übergang.
Pia: Das Geschrei war auch immer riesengroß, wenn ein anderer das eigene Pflegepony bekam. Meistens hatte man schon einen sorgfältig dafür ausgesucht. Wehe, der wurde es nicht.
Habt ihr auch selber Themen eingebracht?
Pia: Unendlich viele. Zum Beispiel bei der Reitsperre haben wir unendlich dagegen geredet. Sissi, die damalige Reitlehrerin hatte eine neue Reitmethode bei einem Art „Pferdeflüsterer“ kennengelernt und wollte sie hier einführen. Da durfte man anfangs nicht Reiten. Da war das Geschrei riesengroß. Und auch sonst haben wir versucht zu sagen, dass wir besser wissen, wie man mit Ponies umgeht.




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