Engagement und Idealismus-Thieler (Teil 2):

Arbeitszeiten und Engagement

Wir alle haben damals oft Tag und Nacht gearbeitet. Abends saßen wir zusammen und haben dann Pläne oder Einkaufslisten für den nächsten Tag geschrieben. Morgens haben wir eingekauft und mittags begann wieder der Spielplatzbetrieb. Manchmal kamen die Kinder abends mit nach Hause. Wir haben auch Elternbesuche gemacht. Einige Kinder waren verwahrlost, verlaust und hatten immer Hunger. Manche Kinder hatten auch aggressive Tendenzen. Sie wollten zum Beispiel die Hühner oder Kaninchen ersäufen oder die Meerschweine quälen. Da versuchten wir durch Gespräche Veränderungen zu erreichen.
Mario, eines dieser Kinder, haben meine Frau und ich als Pflegesohn genommen, als seine eigene Mutter starb. Wir fanden das alles ok, wir haben mit Engagement und Idealismus gearbeitet. Heute würde ich mich auch mehr abgrenzen. Früher war das aber unser Leben.

Unsere Aufgaben und Angebote

Als Festangestellter sollten wir die Kinder begleiten und unterstützen. Zum Beispiel im Hüttenbereich. Wenn die Hütten zu waghalsig wurden hatten wir auch Aufsichtsfunktionen.
Sonst haben wir Programm gemacht: beispielsweise Malen oder Spiele. Eine Kochgruppe gab es auch. Aber keine Holzwerkstatt. Spiele mit Wasser waren wichtig. Im Winter haben wir versucht eine Eisbahn zu machen. Das ging auch ein bisschen. Feuer war aber der Mittelpunkt für die Kinder. Die saßen mittendrin mit ihren angekohlten Schuhen. Eine tolle Sache hatten wir zusätzlich: Möbel von einer Entrümpelungsfirma. Jeden Tag lieferten sie uns etwas zum Einrichten der Hütten.
Außerdem versuchte ich eine Fotogruppe aufzubauen. Für die Kinder haben wir billige Kameras angeschafft und sind zusammen im Bezirk herumgegangen. Den Laborbetrieb habe ich bei mir zu Hause mit ihnen gemacht. Es kam nicht richtig gut an. Das hat ihnen zu lange gedauert, bis die Bilder kamen. Das war nicht das schnelle Erfolgserlebnis. Ein paar Geduldigere hatten aber Interesse. Mit denen habe ich auch Fotogramme gemacht. Zum Beispiel einen Floh und eine Laus. Ich selber machte oft jeden Tag einen Film auf dem Platz und entwickelte ihn auch selber. Diese Fotos wurden einmal bei einer Ausstellung im Rathaus Foyer gezeigt.
Als Honorarkraft habe ich später eine Musikgruppe angeleitet. Anfangs hatte ich meine eigenen Instrumente mit. Die waren aber schnell zerkloppt oder die Trommelfelle waren zerstochen. Dann fing ich an mit den Kindern die Instrumente selber zu bauen. Den Kindern hat es am meisten Spaß gemacht Geräusche auf Gegenständen zu machen, die wir gefunden hatten. Zum Beispiel auf leeren Gurkeneimern haben wir gespielt. Oder mit Bettfedern. Oder die Kerne von Teppichrollen als Bongos umgebaut. Da konnte man toll drauf trommeln. Auftritte gab es keine. Dafür haben wir uns verkleidet und miteinander getanzt.


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